Enthusiasmuskolumne

Diesmal: Der beste 2-Komponenten-Tonträger der Woche

Feuilleton | aus FALTER 51/09 vom 16.12.2009

Halbe Kosten und doppelter Spaß

Der Sinkflug der Tonträgerverkäufe hat auch seine guten Seiten. Es wird im Pop momentan auf Hochdruck nach Nischen gesucht. So erlebt derzeit etwa das sogenannte Splitalbum auf Vinyl, das zuletzt in den 80ern und frühen 90ern im Punk- und Indiebereich Plattensammlerherzen höher schlagen ließ, eine überraschende Renaissance.

Das Schöne an dem Format ist, dass es auf der Idee des Teilens beruht. Zwei Künstler oder Bands teilen sich eine Schallplatte, jeder hat eine Seite für seine Songs. Für den Hörer hat das den positiven Effekt, dass bei einer Spieldauer von kaum mehr als 20 Minuten pro Künstler die Durchschnittsqualität steigt: Ähnlich wie die EP serviert die Split-LP im Idealfall nur Killer, keine Füller. Ist der Popmarkt zurzeit zwischen Downloadrekorden für Hitsongs und schwächelnden Albumverkäufen hin- und hergerissen, so beschreitet dieses Format den Mittelweg.

Für Bands wie Labels bedeutet ein Splitalbum zudem geteilte Produktionskosten, was das finanzielle Risiko einer Veröffentlichung überschaubar hält. Bilanziert wird bei plus minus null, also kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren: die Musik.

Aktuell gibt es zwei wunderbare Beispiele für Split-LPs von heimischen Indielabels. Siluh Records brachte gerade in Kombination mit Numavi Records eine Platte mit je fünf neuen Stücken der Lärmrabauken Killed By 9V Batteries und von deren steirischen Spezis Picture Eyes raus.

Beide Bands bewegen sich so sicher wie lässig zwischen Slacker-Sounds Marke Pavement und freieren Passagen. Am Ende steht im freundlichen Wettstreit ein Unentschieden auf hohem Niveau.

Die Folk-Bande von Beatismurder Records wiederum legt eine Split-LP ihrer Künstler Dust Covered Carpet und Liger vor. Hier sind es insgesamt nur sechs Songs, die dafür extrem filigran gearbeitetes Kunsthandwerk bieten. Und so zwingend klingen, dass man am Ende die Platte umdreht und noch einmal bei Seite A anfängt. SEBASTIAN FASTHUBEr


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