Altwiener Pagodenweihnacht

Stadtleben | aus FALTER 51/09 vom 16.12.2009

Was wurde eigentlich aus den Designerpunschhütten für die Wiener Innenstadt? Nichts

Stilkritik: Christopher Wurmdobler

Als Ursula Stenzel, umtriebige Chefin des ersten Bezirks, vor zwei Jahren gemeinsam mit jungen Menschen von der Angewandten und einem Holzhüttenproduzenten neue Punschhütten präsentierte, die man sich ausgedacht hatte, wurde sogar Adolf Loos bemüht.

Der Architekt („Looshaus“, 1910) muss nämlich immer herhalten in dieser Stadt, wenn irgendetwas sensationell modern oder ungemein revolutionär ist. Die damals vorgestellten „Designerpunschhütten“ waren weder noch. Der sogenannte „Citystand“ war einfach ein schokobrauner Würfel, der statt des üblichen Giebeldachs eine Haube aus weißer Plastikplane besaß. Eine Saison lang sah man die neuen Hütten noch vereinzelt auf diversen Weihnachtsmärkten. Das bisschen Modernität, das ihnen möglicherweise doch anhaftete, hatten die jeweiligen Betreiber unter Zuhilfenahme von Reisiggirlanden, Christbaumkugeln und LED-Blinklichtern verschwinden lassen. Die weißen Planendächer sahen je nach Vorstellungsvermögen oder Alkoholisierungsgrad so aus, als sei am Hof oder am Neuen Markt gerade der erste Schnee gefallen. Oder sie wirkten billig.

Neuerdings sieht man auf den Christkindlmärkten wieder weiße Planendächer über braunen Holzhütten. Spitz ragen sie in den Wiener Winterhimmel. Die „Hüttenpagode“ ist die neueste Designerrungenschaft in Sachen Bretterbude. Von innen beleuchtet, so der Hersteller, werde der Spitz zum „Blickfang auf große Entfernung“. Vielleicht sollten die Verantwortlichen Loos, Design und Pagoden einfach vergessen. Giebeldächer, Weihnachtskitsch. So geht das!


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