Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 51/09 vom 16.12.2009

Kalimera, Systemstadt

Es grenzt an ein Wunder, dass die Finanzreferenten von Stadt und Land es wieder geschafft haben, ihre Budgets für 2010 zeitgerecht vor Weihnachten zu schnüren, nachdem sie zunächst monatelang darüber lamentiert hatten, dass ihnen die über die Jahre angehäuften Schulden praktisch keinerlei Bewegungsspielraum ließen. War das bloß eine neuerliche Übung in Alarmismus? Oder war und ist die Bedrohung real? Sitzen wir – dieses Bild bevorzugte der Grazer Finanzstadtrat Gerhard Rüsch (ÖVP) – tatsächlich auf der Titanic und steuern auf einen Eisberg zu? Sind wir – um das präferierte Bild des Landeskassiers Christian Buchmann (ÖVP) zu verwenden – gerade dabei, die Steiermark finanziell an die Wand zu fahren?

Der Sache könnte eine Prise mediterraner Gelassenheit dienlich sein. Lassen wir unseren Blick zu den Kärntnern schweifen, diesen Griechen Österreichs. So eine Milliarde, mit der etwa die gesamte Stadt Graz in der Kreide steht, verbrennt eine Bank wie die Hypo Alpe Adria dort zum Frühstück. Und wäre Graz, ginge es hart auf hart, am Ende nicht auch so etwas wie eine „Systembank“?

Es scheint aber auch ohne Auffanghilfen genügend budgetären Spielraum zu geben. Ein kleines Beispiel: Gerade haben ÖVP-geführte Ressorts in Stadt und Land – ohne öffentliche Diskussion, kulturpolitisch motivierte Einsprüche oder Warnungen der Finanzreferenten – beschlossen, 1,2 Millionen in eine „World Choir Championship“ zu buttern, die von einer deutschen Agentur abgewickelt wird. Das hat System. 2008 bekam dieselbe Agentur 1,8 Millionen für eine „Chor-Olympiade“. Kärnten lässt grüßen: Wenn die Welt schon untergeht, dann wenigstens mit einem Liadle.

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter


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