Nachforschungen an einem verwunschenen Ort

Steiermark | aus FALTER 51/09 vom 16.12.2009

Mike Markart sieht sich in seinem neuen Roman in Calcata um und erzählt dabei metaphernreich vom finalen Bei-sich-Sein

Buchkritik: Wolfgang Pollanz

Der steirische Autor Mike Markart geht oft auf Reisen, kocht gerne und ist ein Freund des Weines. All diese Vorlieben fließen natürlich auch in sein Schreiben ein. Besonders angetan hat es ihm das Land, in dem die Zitronen blühen, mit all seinen Landschaften und größeren und kleineren Städten. Eine davon ist Calcata, ein – egal ob fiktiv oder nicht – eigenartig verwunschener Ort, in den es den Erzähler eines Tages zufällig wie ein unbeschriebenes Blatt weht, das erst von den Geschichten, die hier passieren und erzählt werden, beschrieben werden muss. Menschen verschwinden, andere tauchen auf, der Erzähler begibt sich auf die Spuren eines gefundenen Tagebuchs, in dem von weiteren Städten voller Seltsamkeiten berichtet wird.

Dass die einzelnen Teile, die sich hier zu einem Ganzen fügen, nicht immer schlüssig und nahtlos zusammenpassen, tut dem Lesevergnügen auf der Entdeckungsreise in diese eigene kleine Welt keinen Abbruch. Das Disparate ist hier wohl literarisches Programm und spiegelt die Wirklichkeit wider, wie wir sie wahrnehmen: als ein Zusammenspiel verschiedenster Denk- und Sichtweisen, als ein Konglomerat von Stimmen, die gemeinsam an dem großen Teppich der Weltwahrnehmung weben. „Viele Dinge passieren einfach, sie brauchen keine Erklärung, keinen Zusammenhang, keinen tieferen Sinn. Sie sind einfach Realität“, heißt es am Ende des Buches. So wird Calcata zu einer vielschichtigen Metapher für Veränderung, für Fortgehen, aber auch für das Ankommen und das endgültige Bei-sich-Sein.

Mike Markart: Calcata. Braumüller Literaturverlag, 174 S., € 19,90


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