Das Grazer Millionenwettsingen

Steiermark | aus FALTER 51/09 vom 16.12.2009

Die Stadt bestellt noch ein Chor-Spektakel bei einer international agierenden Festivalagentur

Kulturbericht: Thomas Wolkinger

Der Förderverein Interkultur mit Hauptsitz im hessischen Pohlheim, der „singenden Stadt“, darf sich freuen. Diese Woche wurde dem Grazer Ableger des Vereins, einer internationalen Festival-Agentur, die bereits 2008 die „World Choir Games“ in Graz durchführte, auch die Abhaltung der „World Choir Championship“ 2011 übertragen. Die öffentliche Hand beteiligt sich mit 1,2 Millionen an dem Spektakel, an dem „mindestens 7000 Personen“ teilnehmen sollen, wie es im Vertrag heißt. 2008 flossen 1,9 Millionen für „bis zu 20.000 SängerInnen“ – was den Preis pro Sänger für 2011 deutlich erhöht.

Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) schießt 400.000 Euro zu, 200.000 trägt Tourismusreferentin Sonja Grabner (ÖVP), die im Gegenzug beschloss, ihren Sonderzuschuss für Kulturfestivals wie spring, La Strada oder Serenata zu streichen. Die Grünen unterstützten im Gemeinderat das Projekt, obwohl der Klub, wie Kultursprecherin Christina Jahn erklärt, gespalten sei. 600.000 steuert Landesrat Hermann Schützenhöfer (ÖVP) bei. Der hatte für die Spiele 2008 mehr als 1,2 Millionen übernommen, um – laut Regierungssitzung vom 3.7.2006 – einen „eminenten volkskulturellen Akzent“ zu setzen. Pikantes Detail: Schützenhöfer belegte den guten Ruf von Interkultur damals mit der Behauptung, der Verein sei „förderndes Mitglied der Unesco“. Das war unrichtig: „Die fördernde Mitgliedschaft lief Ende 2005 wegen nicht gezahlter Beiträge aus“, erklärt Dieter Offenhäußer, Sprecher der deutschen Unesco-Kommission.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige