Gabi Trinkaus porträtierte den Bundespräsidenten. Der bleibt ernst – von Amts wegen

Steiermark | aus FALTER 51/09 vom 16.12.2009

Bildanalyse: Herwig G. Höller

Bundespräsident Heinz Fischer war im September 2008 zum Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Graz ernannt worden, vergangene Woche wurde nun in seiner Anwesenheit das obligatorische Porträt enthüllt. Im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts hat sich die zeitgenössische Kunst zunehmend von den Zwängen figurativer Darstellungen entfernt, und gerade deshalb sind und bleiben Porträts ein schwieriges Genre. Das betrifft auch die aktuelle Fischer-Arbeit von Gabi Trinkaus, die deutlich die künstlerischen Grenzen offiziöser Auftragsarbeiten aufzeigt. Die aus Graz gebürtige Künstlerin ist durch ihre medienkritischen Collagen bekannt, in der sie Foto- und Textschnipsel aus Magazinen zusammenfügt und sich etwa mit Schönheitsidealen beschäftigt.

In Ermangelung häufiger Hochglanzbilderstrecken mit dem Bundespräsidenten tut sich Trinkaus hier zwangsläufig schwer, ließe sich wohl kaum eine selbstreferenzielle Collage aus Medienbeiträgen kreieren, die sich just mit Fischer beschäftigen. Trinkaus’ Porträt fällt auftragsgemäß trotz ihrer Arbeitsmethode konventionell aus, sie setzt Fischers Gesicht vor allem aus fleischfarbenen Magazinschnipseln und sparsam eingesetzten Leerräumen zusammen. Bisweilen – so lässt sich aus der unmittelbaren Nähe erkennen – scheint auch ein wenig Text durch, eine medienkritische Funktion scheint er hier jedoch nicht zu haben. Und auch der Dargestellte selbst wirkt weitgehend konventionell, Fischer hatte sich selbst in dieser Variante gewollt und eine lächelnde Variante freundlich abgewählt. So sehen wir einen pathetisch-ernst-staatstragenden Fischer, der ein wenig an Fotos aus den Neunzigern erinnert, mit einer zweifelsohne upgedateten Frisur. Das Amt des Bundespräsidenten verpflichtet. Sichtlich.

Aktuelle Kamera Steiermark 49: Neues Video mit Dr. Heinz Fischer unter www.falter.at


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