Kritiken

Allen auf der Bühne: Ist Film auch nur Theater?

Lexikon | aus FALTER 51/09 vom 16.12.2009

Von wegen innerstädtisches Kinosterben: In den Volkstheater-Lichtspielen steht nach Almodóvars „Alles über meine Mutter“ jetzt Woody Allens „Purple Rose of Cairo“ auf dem Spielplan. In der romantischen Film-im-Film-Komödie von 1985 verliebt sich der Held einer mondänen Filmkomödie in die leidenschaftliche Kinogängerin Cecilia und steigt aus dem Film heraus, um mit ihr ein neues Leben zu beginnen; die Aktion löst auf beiden Seiten der Leinwand heillose Verwirrung aus. Der Witz des Films besteht darin, dass das Kino so tut, als wäre es Theater; die Idee, ihn auf die Bühne zu bringen, ist grundsätzlich also durchaus reizvoll. Charme und Atmosphäre der Vorlage aber sind beim Transfer ins Volkstheater weitgehend verloren gegangen; die Filmpassagen etwa sind atemberaubend schlecht gemacht. Und während bei Woody Allen am Ende das Kino siegt (wo die verzweifelte Cecilia bei Fred Astaire Trost findet), verpasst Regisseur Gil Mehmert seiner Heldin einen „Nora“-Schluss: Cecilia verlässt entschlossenen Schritts das Kino. Der Volkstheaterbesucher hat an diesem Abend das Gegenteil im Sinn. Wk

Volkstheater, Mi 19.30


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