Kritiken

Fian im Nestroyhof: das Drama einer Pferdeflüsterin

Lexikon | aus FALTER 51/09 vom 16.12.2009

In den ersten fünf Minuten bringt Isabel Karajan einen ganz neuen Ton auf die Bühne. Die Schauspielerin schnaubt und wiehert so inbrünstig in ihr Mikrofon, dass sie Pferde scheu machen würde. Wir befinden uns im ersten halbwegs abendfüllenden Stück des Dramolettmeisters Antonio Fian. Protagonistin von „Hennir“ (französisch für „wiehern“) ist eine Schauspielerin, die für eine Hörbuchproduktion („Troja for Kids“) die Pferdestimmen macht, obwohl sie lieber die Penthesilea spielen würde. Karajans Partner sind ein taubblinder Pianist (Gerhard Gruber) und ein unsichtbarer Regisseur (Stimme: Bruno Ganz!); sie leidet nicht nur unter unstillbarem Harndrang (die Tür zum Klo ist versperrt), sondern auch unter einem Text, der auf dem engen Raum einer kleinen Backstagekomödie ein großes Schauspielerinnenmelodram erzählen will – und einer Inszenierung (Hanspeter Horner), die das alles viel zu ernst nimmt. Am besten sind die ersten fünf Minuten. Wk

Theater Nestroyhof Hamakom, Fr bis So 20.00


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