Musiktheater Kritik

Verdis „Macbeth“: Empörung an der Oper

Andreas Dallinger | Lexikon | aus FALTER 51/09 vom 16.12.2009

Bei einem Debakel wie vergangene Woche bei der Premiere von Giuseppe Verdis „Macbeth“ an der Staatsoper sind die „Schuldigen“ schnell ausgemacht. Die Regisseurin Vera Nemirova erzählt das Stück entlang einer Handvoll widersprüchlicher Ansätze, am liebsten denunzierend, das Werk einem kalauernden Humor preisgebend. Guillermo Garcia Calvo, am Pult in Koordinationsnöten, wackelt den Abend musikalisch dahin. Und Erika Sunnegardh singt als Lady Macbeth im falschen Fach: schlecht gestützte Tiefe, kein Metall in der Stimme, gelegentlich soubrettig, ohne die Möglichkeit zur Attacke. Der Zorn des Publikums entlud sich an ihnen mit aller Wucht – und sollte doch am ebenso verantwortlichen Direktor des Hauses nicht vorbeigehen. Schließlich hat Ioan Holender alle Beteiligten engagiert. Und selbst wenn man ihm Unsicherheit in der Beurteilung szenischer Konzepte konzedieren möchte (wie sich das durch seine ganze Amtszeit zieht), sollte es doch zu seinen Kernkompetenzen gehören, Stimmen und Dirigenten verantwortungsvoll einzusetzen. Bitte vor den Vorhang, Herr Direktor! Die berechtigte Empörung gebührt Ihnen.

Staatsoper, Mo 19.00


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