Kritik

Abtauchen in die Welt der bewegten Bilder

Manisha Jothady | Lexikon | aus FALTER 51/09 vom 16.12.2009

Video ist seit den 90ern ein selbstverständliches künstlerisches Medium geworden. Im Gegensatz zu den Videokunstpionieren der 60er-Jahre müssen Kunstschaffende heute weder dessen fehlende Anerkennung im Kunstbereich einklagen noch gegen eine übermächtige Technologisierung rebellieren. Die Ansätze reichen dabei von Dokumentarischem, Experimentellem, Narrativem, Animiertem bis hin zur Technik des Found Footage.

Einen Einblick in die vitale heimische Produktion der letzten zehn Jahre gibt nun „Videorama. Kunstclips aus Österreich“. Die Ausstellung speist sich aus Arbeiten des Ursula Blickle Videoarchivs, das knapp 2500 Werke internationaler Provenienz umfasst und seit Ende 2005 in Wechselpräsentationen im Untergeschoß der Kunsthalle Wien zu sehen ist.

„Videorama“ bietet ohne Anspruch auf Vollständigkeit einen repräsentativen Querschnitt durch das Medium, indem sie sich an thematischen Leitlinien orientiert. Während die Arbeiten von Thomas Draschan und Axel Stockburger mit Mitteln der digitalen Bilderflut operieren, fokussieren Anna Jermolaewa und Thomas Eller Aspekte wie Wiederholung und Ausdehnung in der Zeit. Dem Verschneiden elektronischer und handwerklicher Techniken begegnet man in den Animationsfilmen von Veronika Schubert und Susanne Jirkuff. In mitunter absurde Erzählungen binden die Werke von Walter Seidl und Stefan Geissler, Mara Mattuschka & Gabriele Szekatsch den Betrachter ein.

Videokunstausstellungen gehen unweigerlich mit der visuellen Reizüberflutung des Betrachters einher. Mit Arbeiten, in denen sich das Laufbild verlangsamt oder zum Stillstand gerät, versteht es „Videorama“ aber immer wieder, auch kontemplative Akzente zu setzen.

Kunsthalle Wien, bis 10.1.


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