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Stufensteigen im Namen der Kunst

Lexikon | aus FALTER 51/09 vom 16.12.2009

In sämtlichen historischen Epochen verstanden es Baumeister, die Treppe als Symbol der Macht zu inszenieren: Von oben herab wurde der Gast begrüßt und empfangen, von unten musste er sich nähern und erkannte sogleich den Rang und Wohlstand des Gastgebers. Ob die Philosophenstiege der Wiener Universität oder die Prunkstiege der Staatsoper, Respekt verspürt man auch heute noch beim Treppensteigen in diesen Zentren des Wissens und der Kunst.

Diese Sinnbildhaftigkeit nimmt nun die Künstlergruppe Gelitin mit einer grandiosen Treppenkonstruktion inklusive Luster auf die Schippe. Aus alten Möbeln und Sperrholz haben Ali Janka, Wolfgang Gantner, Tobias Urban und Florian Reiter ihr „Palais Keiner Mayer“ gezimmert. Installiert in der Galerie Meyer Kainer, die sich übrigens in einem ehemaligen Palais befindet, spielt das Quartett auf die Galerie als Ort, an dem kommerzielle wie ideelle Werte produziert werden, ebenso gelungen an wie auf das hierarchische Verhältnis zwischen Kunstinstitution, Künstler und Betrachter.

Über wackelige Bretter und durch sperrige Konstruktionen hat Gelitin sein Publikum schon oft geschickt. Der Erkenntnisgewinn war dabei oft von der spektakulären Wirkung der Arbeiten überlagert. Hier aber geht beides enorm präzise Hand in Hand. MJ

Galerie Meyer Kainer, bis 16.1.


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