Kritik

Ästhetische Erfahrung im Kollektiv?

Lexikon | aus FALTER 51/09 vom 16.12.2009

Mit einem Kunstbegriff, der als „sozialkommunikativer Prozess“ verstanden werden kann, operieren Clegg & Guttmann von jeher. Oft nehmen sie dabei die Betrachter als Benutzer ihrer Werke in die Pflicht. „Die offene Bibliothek“, im öffentlichen Raum installierte Bücherschränke, ist eines ihrer bekanntesten Projekte.

Gewohnt didaktisch tritt das Duo nun auf, wenn es sich für die Kunst als kollektiv erfahrbare und gemeinschaftlich zu gestaltende Angelegenheit einsetzt. „Was ausgedrückt werden kann und was stets aus der Darstellung weggelassen wird“ lautet eine der Regeln, mit denen Clegg & Guttmann das Publikum zum abzeichnen einer Pflanze auffordern, die, da hinter Regalen, nur in Ausschnitten sichtbar ist. Wer sich dazu hinreißen lässt, ist am kollektiven ästhetischen Prozess beteiligt, heißt es, wenngleich man mitunter alleine skizziert. Zum Takt, den ein mechanischer Bulle vorgibt, will man dann aber für sich selbst so gar nicht gern tanzen.

Nachvollziehbar wird die These des ästhetischen Kollektivismus paradoxerweise gerade anhand jener Arbeit, bei der man in völliger Passivität verharren darf. Die fotografisch festgehaltene Aktion zeigt vier aneinandergebundene und dadurch bewegungstechnisch eingeschränkte Akteure, die abwechselnd die Rolle des Zeichners und des Aktmodells übernehmen. Entsprechend verkrampft wirkt das zeichnerische Ergebnis. Doch solange alle immer brav mitmachen, ist das ja egal. MJ

Georg Kargl Fine Arts, bis 9.1.

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