Neu im Kino

Neues von Stephen Frears: „Chérie“ nach Colette

Michael Pekler | Lexikon | aus FALTER 51/09 vom 16.12.2009

Was von dem jungen Mann in Erinnerung bleibt, ist seine hagere, in einem feinen Anzug steckende Gestalt, wie er lässig eine Zigarette rauchend in der Tür eines Wintergartens steht. Das war jener Moment, in dem die Pariser Kurtisane Léa de Lonval (Michelle Pfeiffer) erfahren muss, dass ihr jugendlicher Zögling Fred, genannt Chéri (Rupert Friend), verheiratet werden soll: das Ende einer sechs Jahre dauernden, von gepflegtem Müßiggang geprägten Beziehung, die davon lebte, dass die Liebe nichts gilt, weil alles andere so viel wert ist.

Stephen Frears’ Interesse für gemeinhin als emanzipiert geltende Frauentypen ist bekannt – und hat sich zuletzt mit „The Queen“ in jedweder Hinsicht bezahlt gemacht. Dass der Brite nun mit „Chéri“ zwanzig Jahre nach „Dangerous Liaisons“ erneut mit Unterstützung des Drehbuchautors Christopher Hampton ein Kostümdrama mit Michelle Pfeiffer in Szene setzt, mag ursprünglich an der Anziehungskraft der etwas in Vergessenheit geratenen Vorlage von Colette („Gigi“) gelegen sein, der die Belle Epoque als schöner – aber auch undifferenziert zeitloser – Hintergrund für Unterdrückung und Scheinmoral dient. Doch weniger als für soziale und geschlechtliche Repressionen interessiert sich Frears für das Alter seiner Hauptfigur – und übersieht dabei in dringendem Einverständnis mit seinem Star, dass beides doch zusammenhängt.

Und so bleibt das Drama der unmöglichen Liebe so unterkühlt wie die auf Perfektion hin komponierten Einstellungen von Topfpflanzen und goldbeschlagenen Chaiselongues, auf denen die gelangweilte Damengesellschaft die Beine hochlagert. Während andere den Ersten Weltkrieg heranrollen hören, rascheln hier nur die Röcke.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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