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„Tropa de Elite“: Thriller unter Fascho-Verdacht

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 51/09 vom 16.12.2009

Scheiß auf die Schwachen! Scheiß auf die Korrupten!“ Willkommen bei BOPE, einer Sondereinheit der Militärpolizei von Rio de Janeiro und, will man José Padilhas „Tropa de Elite“ glauben, dem weltbesten Arbeitsplatz für Gewaltneurotiker, seit Dirty Harry Callahan in Pension gegangen ist.

Das Spielfilmdebüt des Dokumentaristen Padilha basiert auf dem Tatsachenbericht eines brasilianischen Soziologen, am Drehbuch hat ein ehemaliges Mitglied der Eliteeinheit mitgeschrieben. Der aus- und rücksichtslose Kleinkrieg der BOPE gegen die lokale Drogenmafia wird in „Tropa de Elite“ allerdings nicht mit aufgeklärtem Problemfilmgestus aufgerollt, sondern als ungeniert stylisher Actionthriller aus der Bullenschweinperspektive erzählt: Wer einem strammen Polizistenhelden hier blöd mit Foucaultzitaten oder Sozialreformerideen kommt, ist entweder ahnungslos oder bereits gekauft.

Auf den Filmfestspielen von Berlin als faschistoid kritisiert (und mit dem Goldenen Bären prämiert), in Brasilien von der Rechten abgefeiert, erweist sich „Tropa de Elite“ bei minimaler Betrachtungsdistanz als gar nicht unschlauer Versuch, eine verfahrene politische Situation zu beschreiben: Korruption der Polizei und implizite Mafiakomplizenschaft der oberen Mittelklasse sind überzeugend geschildert, ohne dass deshalb das brutale Durchgreifen der folternden, geifernden, grenzpsychotischen BOPE-Männer auch nur ein wenig Würde gewänne.

Das macht die flachen Charaktere und die Schmalspur-Scorsese-Anwandlungen der Inszenierung noch nicht super. Neben dem sexy Selbstjustizler-Mitleid von „The Dark Knight“ und Co wirkt Padilhas Film aber direkt integer.

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