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Kurz besprochen

Lexikon | aus FALTER 51/09 vom 16.12.2009

Kunstgeschichte

Horst Bredekamp: Michelangelo.

Fünf Essays. Wagenbach, 123 S., € 23,60

Michelangelos Grabmal für Papst Julius II. faszinierte und irritierte seit je: Ein seltsames Flickwerk von Architektur umgibt die Figuren; heidnisch lässig liegt der Papst auf seinem Sarkophag, der wie nachträglich vor die Nische der Muttergottes geschoben wirkt. Aufgestiegen zum Künstlergott nahm Michelangelo so viele Aufträge an, dass für deren Realisierung keine Lebensarbeitszeit ausgereicht hätte. Der ursprüngliche monumentale Entwurf wurde von Julius’ Erben fallengelassen, nach langen Jahren des Haderns lieferte Michelangelo eine ungleich bescheidenere Lösung.

Doch, so Bredekamp: Erst in der Notlage triumphierte Michelangelos hintersinniges Genie. Er schlug kleine Lichtluken in die tiefgestaffelte Wandarchitektur, und nun scheint es, als würde das Freigrab dahinter doch existieren – ein Triumph über die Materie. Die Unerfüllbarkeit von Ideen innerhalb gegebener Produktionsbedingungen


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