KunstKritik

Reduktion im Rausch der Sinne

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 51/09 vom 16.12.2009

Ganz auf sich zurückverwiesen bleibt der Betrachter in der aktuellen Ausstellung im Kunstverein Medienturm. „With Your Eyes Only“ heißt dementsprechend die Auswahl an reduktiven Kunstwerken, die dort der Künstler Tilman eingerichtet hat, um Fragen zu klären, welche die Wahrnehmung als solche schon stellt. Also geht es um die Bedingungen des Betrachtens selbst, wie Farbe, Licht, Material, um alles seit Kant a priori in Wahrnehmung und Denken mit Einzurechnende und freilich auch um ein Liebkind so mancher aktueller Ästhetik: die Körperhaftigkeit des betrachtenden Subjekts. Weil das zusammengenommen dann andererseits auch möglicherweise zu viel an theoretischem Überbau sein könnte, bleibt das Auge des Betrachters zunächst bloß auf die Körperhaftigkeit des Kunstobjekts verwiesen, kann sich an ihr recht angstfrei abarbeiten und seiner selbst bewusst werden.

Clemens Hollerer zeigt etwa ein Bauteil, das den realen architektonischen Raum gehörig hinterfragt, weil der wieder einmal zu klein ist, die Einbauten von Ward Denys, drehen nicht nur den Ausstellungsraum um 35 Grad, sondern bieten dabei stets auch interessante Durch- und Einblicke – etwa auf die gebrochenen Raster, die Esther Stocker in Acryl auf Leinwand bannt oder auf Dan Walshs sperrige Meditation über die Farben Rot, Grün, Blau – und wem das noch zu wenig Spannung liefert, der kann dem computergesteuerten Roboter von Simon Ingram beim Verfertigen eines an Weißwurstgirlanden erinnernden Ölbildes zusehen oder sich der flimmernden Projektion überantworten, die Kjell Bjørgeengen aus der Übersetzung audiovisuellen Materials in Schwarzweiß gewinnt.

Kunstverein Medienturm, bis 13.2.


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