Lexikon

Slawische Mythologie und männlicher Wahnsinn

108 Jahre nach der Premiere wagt sich Graz an Dvoraks Oper

Herwig G. Höller | aus FALTER 51/09 vom 16.12.2009

Sie gilt als erfolgreichste und auch schönste Oper von Antonín Dvorak (1841-1904), dennoch war "Rusalka" in der Grazer Operngeschichte bislang erstaunlicherweise nie als Eigenproduktion zu sehen. Muss wohl am Bollwerk Graz liegen und an seinen historischen Problemen mit Slawischem. Zudem hätten - so die nationale Mär - die Tschechen auch 1913 die Vergabe des Literaturnobelpreises an Peter Rosegger vereitelt. Und dessen Denkmal sitzt bekanntlich schräg gegenüber der Oper.

108 Jahre nach der Uraufführung wagt sich nun auch Graz an das romantische Werk, in dem Dvorak der slawischen Flussnixen-Mythologie ein musikalisches Denkmal setzte. Regie führt dabei niemand Geringerer als der norwegische Starregisseur Stefan Herheim. Schon 2006 bewies er mit seiner "Carmen"-Inszenierung an der Grazer Oper eindrucksvoll, dass auch avanciertes Regietheater zu vollen Häusern führen kann.

Herheims "Rusalka" lässt deshalb auch mehr erwarten als eine brave Aufführung über die Liebe der Nixe Rusalka (Sopran Gal James), die trotz aller Warnungen des Wassermanns (Bassbariton Gustav Belaek) zum Tod des geliebten Prinzen (Tenor Maksim Aksenov) führt. "Die Geschichte von der unbezwingbaren Sehnsucht nach der Traumfrau, die aus dem Wasser kommt, ist das ausweglose Drama vom männlichen Wahnsinn, eine bürgerliche Existenz mit den Trieben und Dämonen des Unterbewusstseins zu vereinbaren", erklärt Wolfgang Willaschek, der Dramaturg der Grazer Produktion.

Grazer Oper, Fr 19.00 (Premiere), Di 19.00


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