Kritiken

Unmoralische Weihnachten beim Bernhard Ensemble

Lexikon | Bettina Hagen | aus FALTER 52/09 vom 23.12.2009

Passend zur Jahreszeit schießt sich das Bernhard Ensemble auf die Religionen und ihre sinnstiftenden Doppelmoralitäten ein. „Unsinn oder Weihnachten ist jeden Tag“ handelt von der Familie eines Astronauten, die durch die von der betrogenen Mutter verbreitete Lüge rund um den Tod des Vaters in Neurosen und Sexfantasien abgeglitten ist. Eine Tochter (Grischka Voss) hat sich bereits mit zwölf für die Laufbahn der Prostituierten entschieden und schafft das Geld heran. Ihre Schwester (Kristina Bangert) hat sich im Gegenzug durch Heirat den Islam einverleibt. Auf Stufen, die mit Mondkratern tapeziert sind, werden die treibenden Sehnsuchtsmotive – Vater, Sinn und Sex – zelebriert. Dabei wird vor- und zurückgespult: ein wiederkehrender Weihnachtsabend und das mögliche böse, aber auch erlösende Ende. Ernst Kurt Weigel (auch Text und Regie) ist der Erzähler, mimt den Übervater und interpretiert in den Revue-Einlagen diverse Gottheiten. Der Abend läuft in gewohnter Bernhard-Ensemble-Qualität ab – und lässt so nebenbei Moral und guten Geschmack alt aussehen.

Das Off-Theater, 9., 12., 14.1., 19.30 (bis 30.1.)


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