Kritiken

Godot kommt nicht: Beckett mit Goldrand

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 52/09 vom 23.12.2009

Das Werk des Jahrhundertautors Samuel Beckett steht erratisch wie ein Monument in der Theatergeschichte herum. Entsprechend schwer tut sich das Theater mit diesen Texten. Matthias Hartmann, sowieso nicht als Bilderstürmer bekannt, versucht in seiner Inszenierung von „Warten auf Godot“ erst gar nicht, den Klassiker neu zu lesen; Bühnenbildner Karl-Ernst Herrmann hat für den konservativen Ansatz ein schönes Bild gefunden: Das Portal ist von einem Goldrahmen umfasst. Im Jänner 2002, als die Inszenierung in Bochum Premiere hatte, war hauptsächlich von einer Nebenrolle die Rede: TV-Star Harald Schmidt hatte als Lucky sein Comeback als Schauspieler gegeben. Fast sieben Jahre später und ohne Schmidt kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren: Michael Maertens als Wladimir (seine vierte Hauptrolle in dieser Saison!) und Ernst Stötzner als Estragon. Das bestens eingespielte Duo macht den Abend sehenswert. Man schaut sich ja ab und zu auch gern ein Monument an.

Burgtheater, 25.12., 19.00


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