KabarettKritik

Mitten im 20sten: Grätzel-Soap im Vindo

Lexikon | aus FALTER 52/09 vom 23.12.2009

Das im Oktober neueröffnete Vindobona am Wallensteinplatz versteht sich als „Kabarett für Hiesige und Zuagraaste“; der Schwerpunkt liegt auf multikulturellen Programmen, die insbesondere auch migrantisches Publikum ansprechen sollen. Erster Versuch ist die Serie „Jägerstraße“, eine rund um den Hannoveranermarkt in der Brigittenau angesiedelte, multikulturell besetzte „Grätzel-Soap“. Die Döblinger Studentin Aline hat hier ihre erste Wohnung bezogen; ihre Nachbarn sind exjugoslawische Gemüsehändler und asiatische DVD-Dealerinnen, österreichische Zuhälter und afrikanische Dealer.

Derzeit steht Folge 2 („Sterben gratis“) auf dem Spielplan. Alines schwuler Bruder soll im „Studio Elysium“ zum Hetero werden (legt dann aber doch lieber ein Profil auf gayromeo.at an), Zettelpoet Seethaler klebt vor der Hofer-Filiale Gedichte, im 33er lüftet ein Exhibitionist seinen Trenchcoat, und beim Integrationskurs in der SPÖ-Sektion Brigittenau wird die Bundeshymne einstudiert. Ähnlich wie in seinem erfolgreichen Puppenstück „Krawutzi-Kaputzi“ setzt Autor Johannes Glück auch hier auf eine ziemlich lustige Mischung aus Lokalkolorit und Pornopointen. So hätte auch „Mitten im 8en“ ein Erfolg werden können. Nur dass im Vorabendprogramm halt keine Dildos erlaubt sind. WK

Vindobona, 28.12. bis 13.1., täglich außer So 20.00 (31.12., 19.00)


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