Kritik

Stilpluralismus in einer Ära des Wandels

Lexikon | aus FALTER 52/09 vom 23.12.2009

Zwischen den katastrophalen Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs und dem gesellschaftspolitischen Aufbegehren der 60er- erscheinen die 50er-Jahre heute vor allem als das Jahrzehnt der Nierentischchen, Bikini und Caprischnulzen. Konsum, Freizeit und Mobilität sind nur einige der Schlagworte, die das damals neu gewonnene Lebensgefühl beschreiben. Kennzeichnete eine relativ rasch voranschreitende Modernisierung den Alltag, so schwankten viele österreichische Künstler noch zögerlich zwischen Neubeginn und Kontinuität.

Ausgewählte Werke aus der Sammlung der Kulturabteilung der Stadt Wien illustrieren derzeit diese spannungsgeladene Dekade zwischen konservativer Verwurzelung und avantgardistischem Aufbruch. Die Ausstellung „Die 50er Jahre: Kunst und Kunstverständnis in Wien“ geht dabei weit über den herkömmlichen repräsentativen Querschnitt hinaus, denn nicht nur Arbeiten von international renommierten Größen sind zu sehen, sondern auch jene von Kunstschaffenden, deren Namen heute weniger geläufig sind.

Die undogmatische Vielfalt dieser Zeit, in der expressionistische, kubistische, surrealistische und informelle Tendenzen nebeneinander existierten, wird durch Kunstschaffende wie Maria Lassnig, Arnulf Rainer und Hans Staudacher ebenso deutlich wie durch die Protagonisten des Phantastischen Realismus. Am aufschlussreichsten ist diese Schau, die sich an thematischen Leitlinien orientiert, jedoch vor allem dort, wo sie anhand der Gegenüberstellung unterschiedlicher Werkphasen einzelner Künstler den Wandel vom Gegenständlichen zum Abstrakten nachvollziehbar macht. mj

Musa, bis 6.2.


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