Neu im Kino

Frisch gekocht mit Moritz und Fatih: „Soul Kitchen“

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 52/09 vom 23.12.2009

Die Dekade des populärkulturellen Kulinarikterrors geht zu Ende, der Hamburger Regiestar Fatih Akin steuert die Begleitmusik bei: In seiner Gastrokomödie „Soul Kitchen“ mausert sich das titelgebende Wilhelmsburger Friteusen-Beisl zum Hort publikumswirksamer Gourmetküche und multikultureller Tuchfühlung.

Inhaber Zinos (Adam Bousdoukos) muss derweil nicht nur mit natürlichen Feinden eines Inlokals wie Hygienekontrolleuren oder Steuerprüfern zurechtkommen. Neben Fernbeziehungs- und Kreuzproblemen machen ihm Immobilienhaie (Gastauftritt: Seine Seltsamkeit Udo Kier) und sein inhaftierter Bruder Illias das Leben schwer. Der will zuerst nur einen Alibiposten im Lokal, um Freigang zu bekommen, entwickelt aber ein Interesse an der resoluten Kellnerin Lucia.

Der flapsige bis breit klamaukige Tonfall, in dem Akin die immer haarsträubenderen Glücks- und Unglücksfälle des Personals der „Soul Kitchen“ schildert, liegt ihm merklich besser als zuletzt das forciert Kontemplative des Schicksalsdramas „Auf der anderen Seite“. Nach den internationalen Pendelbewegungen seiner letzten Arbeiten setzt der Sohn türkischer Einwanderer in diesem selbsternannten „Heimatfilm“ auf einen stadttourismustauglichen Wohlfühl-Regionalismus, in dem urbane Sehenswürdigkeiten und multiethnisches Partyleben genauso problemlos zusammengehen wie auf der Tonspur Jan Delay und Sam Cooke mit Hans Albers.

Für ein wenig Würze sorgt das motivierte Ensemble, allen voran Birol Ünel („Gegen die Wand“) als grimmig-messerschleifender Chefkoch und Moritz Bleibtreu, der sich mit arschwackelndem Gusto in die Rolle des spielsüchtigen Schmalspurganoven Illias stürzt.

Ab 25.12. im Filmcasino


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