Neu im Kino

Yes, we Cantona! Kicker & Hackler „Looking for Eric“

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 52/09 vom 23.12.2009

Beide heißen Eric: Der erste ist Arbeiter im Innendienst der Post in Manchester und überfordert, zumal vom Alltag als Alleinerzieher zweier Teenager. Der zweite ist Franzose und wohl unterfordert vom Alltag als Exfußballer, der in den 90ern kauziger Superstar von Manchester United war. Also hilft der zweite, der mit Nachnamen Cantona heißt und sich selbst sympathisch spielt, dem ersten Eric, der (sympathisch gespielt von Steve Evets) ein an sich anonymer Proletarier ist, wie sie Filme von Ken Loach, Doyen des britischen Sozialrealismus, seit jeher bevölkern.

Zwischen Szenen, in denen der lebensweise parlierende Exkicker dem Postler erscheint – wie ein guter Geist, aber lapidar –, erscheint ein im Spielfilm selten sichtbarer Alltag: eine tolle Totale der Posthalle etwa oder Loachs notorische mikrodynamische Gruppenstreitgespräche, hier als Pubdebatte über den Ausverkauf des Fußballs oder als (sehr lustige) Psychoselbsthilfesitzung unter Hacklern. Hier eignet sich proletarischer Habitus neoliberales Selbstmotivationsethos an – oder umgekehrt.

Das Ende zeigt uns dutzende Postler als aktivistisches Kollektivsubjekt in Cantona-Masken (sieht aus wie eine live gespielte Digitalanimation); der Preis ihrer Ermächtigung ist Fantum, Starsystem und – Mannsein: „Looking for Eric“ entwirft ein Bild vom echten Hackler als echtem Kerl; dessen Aufstand richtet sich gegen dekadente Gangster und seine verlotterten Söhne, vor denen auf den Tisch zu hauen Cantona ihn lehrt. Eher ungut. Im Selbstheilungsprozess fungiert Erics Exfrau als Prüfstein und Verkünderin seiner zu untermauernden Liebenswürdigkeit als eh leiwander Daddy. Im Universum dieses Films möchte man(n) keine Frau sein; ihn anzuschauen ist viel netter.

Ab 6.1. in den Kinos (OmU im Votiv)


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