Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | aus FALTER 52/09 vom 23.12.2009

„Wieso soll man zum Christkind Karaoke singen, Frau Weigert?

Das Börserl treibt sich wieder um. Jene kleine, grüne, animierte Figur mit den süßen Glubschaugen und dem markanten Sprachfehler, die ständig Münzen in sich hineinfrisst und irgendwie immer ein wenig danach ausschaut, als hätte sie gerade in der Spar-Lieferantenzufahrt einen dicken Joint geraucht. Naja, oder zumindest so: Etwas seltsam ist es schon, das gute Ding.

Das Spar-Börserl ist nun in Sachen Weihnachten unterwegs und hat zu diesem Zwecke Engelsflügerln von den Animationsmenschen von friendly fire spendiert bekommen.

In der groß angelegten Kampagne nuschelt dann das Börserl: „‚S‘ wie Schenken oder ‚S‘ wie selber verbraten!“ Solch sinnige Sprüche kann der geneigte Börserl-Fan neuerdings auch per iPhone-Applikation oder auf www.spar.at als Weihnachtsgrüße versenden.

Die Mundbewegungen in den kleinen Filmchen kommen dann vom Börserl höchstpersönlich, die Stimme vom User. Klassisches Karaoke eben. „Man muss da wirklich üben, bis man gleich gut ist wie das Börserl“, sagt Andrea Weigert von der Werbeagentur WIRZ. Sie hat das Börserl vor fast zwei Jahren mitentwickelt und sieht die Stärke solcher virtuellen Werbeformen darin, dass sich der Kunde auf witzige Weise mit der Marke beschäftigt.

Die S-Budget-Linie von Spar ist mittlerweile auf knapp 140 Artikel angewachsen. Die Taktik, sich seine eigene Discounterkonkurrenz im eigenen Geschäft zu bauen, scheint aufzugehen. „In solchen Zeiten schaut halt jeder aufs Haushaltsbudget“, sagt Weigert. Zum Teil wäre dadurch sicherlich auch der riesige Erfolg der Werbeaktion zu erklären.

„Wir arbeiten bereits an der nächsten Kampagne. Da wird sicher wieder etwas Skurriles dabei herauskommen“, kündigt die Werberin an. Bernhard RiEdmann


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