Über allen Wipfeln ist Ruh

Feuilleton | aus FALTER 52/09 vom 23.12.2009

Jane Campions „Bright Star“ erzählt von der Liebe des Poeten John Keats

Filmkritik: Michael Pekler

In einem der schönsten Momente dieses Films liegt der Dichter John Keats in einer Baumkrone und starrt in den Himmel. Lächelnd verschränkt er die Arme hinter dem Kopf und macht es sich in seinem Lager aus Blättern und Blüten gemütlich. So kann man sich einen der bedeutendsten englischen Poeten der Romantik vorstellen, wenn er glücklich ist: den niederen Wünschen der Menschen ferne, allein mit sich und der Natur.

In Wahrheit zeigt dieses Bild jedoch, dass die Filmemacherin Jane Campion, die Naturbilder schon immer als Metapher verstanden hat, auf der Suche nach dem ist, wovor der romantische Dichter hier flieht: nach den Wurzeln; dem, was sich den Blicken entzieht und unter der Erde heranwächst.

Schon in Campions frühen Arbeiten drängen die geheimen Wünsche und Begierden der Menschen so lange an die Oberfläche, bis sie schließlich mit tragischem Ende hervorbrechen. Wenn sich


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