Schlechte Fotos für eine bessere Welt

Feuilleton | aus FALTER 52/09 vom 23.12.2009

Mit ihrer Fotokunst dokumentiert Zoe Leonard die heftig knarzende und rauschende Welt des Analogen

Rezension: Matthias Dusini

Eine magische Kraft scheint die Kamera der amerikanischen Fotografin Zoe Leonard, Jahrgang 1961, vom Zentrum des Geschehens fernzuhalten: Gerade noch erkennbar sind in der Serie „Bullfight“ (1986/1990) der in einer Arena kämpfende Stier und der Torero. In den Bildern von Modeschauen (1990) sind nicht die Models, sondern die Pressefotografen die Hauptdarsteller.

In der surrealistischen Tradition eines Brassaï (1899–1984) stehend, gilt Leonards Aufmerksamkeit dem, was am Rand passiert; das Kontingente entfaltet seine Bedeutsamkeit. In der Serie „Tree + Fence“ (1998) sind Eisenzäune zu sehen, die sich unter dem Druck wachsender Bäume verbiegen. Die Fotografin wird zur Chronistin von Prozessen, die unterhalb der Schwelle alltäglicher Wahrnehmung liegen.

Sie zeigt sich dabei als Schülerin der Psychoanalyse, die den Schlüssel zur Interpretation seelischer

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