Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 52/09 vom 23.12.2009

Silvester ist immer dort besser, wo man nicht ist

Wenn man sich umhört, was die Leute so am 31. Dezember vorhaben, dann sagen die meisten: weiß nicht. Wenn man hysterisch wird und sie darauf hinweist, es sei ja immerhin nicht irgendein Jahreswechsel, sondern sogar Jahrzehntwechsel, sagen sie: Dezennium, na und? Man hätte schließlich auch das Millennium verschlafen, die Nacht auf irgendwelchen langweiligen Großveranstaltungen verbracht oder sich privat an Fonduegabeln festgehalten. Also nein, kein Interesse. Warum ist das so? Warum fiebern alle auf diesen einen Termin hin, um dann wie blöd Eventhopping zu betreiben und sich anschließend den Brummschädel mit dem Neujahrskonzert durchputzen zu lassen? Weil das so ist. Weil es dazugehört wie Pummerin und Böllerhagel. Weil es nämlich immer genau dort am besten ist, wo man gerade nicht ist. Wie unzufrieden. Wie albern. Vorschlag für den Neujahrsvorsatz: einer Party treu bleiben. Obwohl: Man könnte ja nach dem Donauwalzer noch woanders hinschauen. Auf die Gefahr hin, dass man damit die Party des Jahrzehnts verlässt – und verpasst.


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