Was fährt denn da?

Auf Krähenfüßen zum Seelenputsch

Mobilitätskolumne

Stadtleben | aus FALTER 52/09 vom 23.12.2009

Bericht: Matthias G. Bernold

Das Altern vollzieht sich bei Männern in zwei Geschwindigkeiten. Äußerlich gemächlich. In kleinen Schrittchen trippeln die Krähenfüße immer weiter durchs Gesicht. Innerlich aber geht es ratz-fatz. Gestern noch Frühlingsblumen und Kinderaugenblick auf die Welt. Heute putscht die Seele: Und atmet den Geruch der tiefsten Krypta der Geburtskirche in Bethlehem.

Die Zäsur im Inneren spiegelt sich natürlich im Verhalten der Betroffenen wider. Nehmen wir nur meinen Schulfreund A., der die vergangenen 35 Jahre seines Lebens unbeschwert als machistischer Egomane verbrachte. Als ich unlängst mit ihm in der Aida saß, um Vanillekardinalschnitten zu naschen, schob vor dem Schaufenster eine junge, hübsche Mutter ihren Kinderwagen vorbei.

Kaum war sie entschwunden, nickten A. und ich einander verschwörerisch zu, wie schon Zehntausend Male zuvor.

Wie schockiert war ich, als ich feststellen musste, dass wir zwar das Gleiche angeschaut, aber nicht dasselbe gesehen hatten:


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige