Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 52/09 vom 23.12.2009

Sexvideos, Hitler, harte Schweine mit Grazbezug

Wenn das hier das Internet wäre, dann hätten wir durch die knackige Überschrift die Anzahl der Google-Treffer und damit der Klicks aus dem Stand um ca. den Faktor zwölf vervielfacht. Außerdem wäre es dann nicht so verdammt kalt. Das hier ist aber nicht das Internet, das hier ist das wunderbar altmodisch gedruckte Wort auf fahlem Papier, von einer Aura der Vergangenheit umhüllt wie Chris Lohner, Kletzenbrot, brennende Kinderaugen und leuchtende Wunderkerzen. Trotzdem hat auch hier, wo nicht das Internet ist, die Überschrift (automatisch generierten) lokalen Bezug! Das alles ist nämlich auf Holztischen eingeritzt, die in der super Aprés-Ski-Hütte im Pfauengarten stehen, auf dass jeder sich so richtig auskotzt vor den Feiertagen. Oder auch jemanden aufreißt. Wenn es das Internet wäre, wäre es aber leichter. So denkt zumindest der SUPERGRAZER, der im schon oft erwähnten Kleinanzeigenportal ein erotisches Date am Weihnachtsabend sucht, obwohl er eigentlich nicht darf: Bin (privat) gebunden in Graz, würde aber im Raum Steiermark überall (hin)kommen! Da draußen muss jemand richtig verzweifelt sein, und: Kann man das seiner privaten Bindung antun, ausgerechnet am Heiligen Abend? Vor allem, weil Forscher (in Neuseeland) rausgefunden haben, dass Sex zu Weihnachten entweder zu totaler Euphorie oder aber zu tiefer Depression und Frust führt. Das hat mit Hormonen zu tun, es gibt bis Silvester keine Zwischentöne mehr. Irgendwie ein bisschen schade.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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