Kritik

Déjà-vu an der Burg: Peymanns Comeback

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 02/10 vom 13.01.2010

Was Gert Voss für Claus Peymann war, ist Michael Maertens für Matthias Hartmann. In Peymanns erster Saison als Burgtheaterdirektor spielte Voss drei große Rollen. In Hartmanns erster Saison als Burgtheaterdirektor spielt Maertens jetzt schon die fünfte Hauptrolle – diesmal übrigens in einer Peymann-Inszenierung. Auf Wunsch von Maertens, der den Richard auch noch spielen wollte, wurde eine fast zehn Jahre alte Inszenierung von Shakespeares Königsdrama „Richard II.“ aus der Mottenkiste geholt. Die Aufführung stammt aus Peymanns erster Saison am Berliner Ensemble, hatte dort im Juni 2000 Premiere und erlebte über 100 Vorstellungen. Für die späte Wiener Wiederaufnahme wurden die meisten Rollen umbesetzt; vom Originalcast sind neben Maertens nur noch Veit Schubert (als Richards Gegenspieler Bolingbroke) und Manfred Karge sowie die inzwischen ohnedies an der Burg engagierten Maria Happel und Markus Meyer dabei.

Die Inszenierung ist ein einziges Déjà-vu-Erlebnis. Das zentralperspektivische Bühnenbild (Achim Freyer). Die offensichtlich bis in die kleinste Geste arrangierten Ensembleszenen. Die groß an die Wand gepinselten Worte. Das alles kommt dem Besucher der Peymann-Ära bekannt vor. Auf der Höhe der Zeit war diese Ästhetik allerdings schon vor zehn Jahren nicht mehr. Aber hauptsächlich geht es hier ja um Michael Maertens. Der ist als schwacher, eitler König, der erst im Untergang Größe gewinnt, natürlich wieder großartig. Aber spätestens nach dem fünften Großauftritt in fünf Monaten erkennt man, dass auch sein kreatives Reservoir begrenzt ist. Für Maertens-Fans ist die Aufführung trotzdem Pflicht. Für Peymann-Nostalgiker ist sie das pure Retrovergnügen. Alle anderen fragen sich bange, wann Hartmann „Ritter, Dene, Maertens“ ansetzen wird.

Burgtheater, 27., 30. und 31.1.


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