Kritik

Zu Besuch bei einem freundlichen Monster

Lexikon | Bettina Hagen | aus FALTER 02/10 vom 13.01.2010

Das Publikum nimmt an einem spartanischen Seminartisch Platz, an dessen oberem Ende ein historisch verbürgtes Monster sitzt. Fritz Haarmann hatte bis zu seiner Hinrichtung 1925 vierundzwanzig junge Männer getötet, ihre Leichen in kleine Stücke zerteilt und teilweise im Klo hinuntergespült. In „Haarmannsland“, einem Gastspiel des Schauspiels Dortmund im Salon5, spielt Jakob Schneider diesen feisten, zu seinem Publikum immer freundlichen Käseliebhaber aufmerksam, manchmal aufbrausend und mit kindlichem Eifer. Der Text entstammt den Verhörprotokollen. Mit dem Begriff Gewissen etwa konnte er wenig anfangen, vielmehr fühlte er sich seiner Mutter im Himmel näher, wenn er sich wieder eines verführerischen Jungen entledigt hatte. Unheimlich.

Salon5, Do 19.30 (auch am 22.1.)


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