Kritik

Dem Sensenmann ins Gesicht lachen

Lexikon | Manisha Jothady | aus FALTER 02/10 vom 13.01.2010

Gott kommt gleich wieder. Auf seinem Arbeitstisch hat er dem Himmelsanwärter eine entsprechende Notiz hinterlegt: „Will be back in 5 min“ steht da. Als Zeichen seiner Allmächtigkeit hat er seinen Heiligenschein dagelassen. Und ein Handy, das jetzt klingelt. Das Arrangement ist Teil der Ausstellung „Death in a Solution of Life“, in der Werner Reiterer anhand von Zeichnungen, Plakaten, Interventionen und Skulpturen den Tod als Gegenpart zum Leben inszeniert. Die Zeit, die ihm selbst noch auf Erden vergönnt ist, visualisiert er in einer Digitalanzeige bis auf die Sekunde genau. Den letzten Glockenschlag darf der Besucher dank einer Schlagzeugfußmaschine selbst tätigen.

Der für seinen ironischen Zugang zu sämtlichen Lebensfragen bekannte Künstler begeistert in seinem Schaffen nicht selten durch Umkehreffekte. Humor kann so befreiend sein, selbst wenn er sich auf das Ende des Daseins bezieht und uns als Sitzfigur gegenübertritt, die mit über den Kopf gestülptem Sack letzte Atemzüge von sich gibt. Denn dass der eigentliche Odem des Lebens aus der Halogenflasche sprüht, hat Reiterer schon in vergangenen Projekten bewiesen.

Auch vor moralischen Grenzüberschreitungen macht Reiterer in dieser Schau nicht halt: So hat er eine Stele nach Hitlers Körpergröße anfertigen lassen, sie mit dessen Frisur und Schnauzbart versehen. Vergangenheitsbewältigung auf Augenhöhe sozusagen. Das schwere historische Erbe schrumpft hier auf nicht ganz unbedenkliche Weise zur Lächerlichkeit zusammen.

Doch zurück zum Tod: Sollte er sich tatsächlich so humorvoll und abwechslungsreich gestalten wie diese Schau, dann hat man nichts zu befürchten.

Galerie Krinzinger, bis 30.1.


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