Konferenz

Methode unterwegs: Digital Formalism

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 02/10 vom 13.01.2010

Die Methode hat ihr Haus verlassen und lebt jetzt auf eigene Faust“, notierte der russische Formalist Viktor Šklovskij 1923 im Berliner Exil. Eine Expedition formalistischer Methode durch unerprobtes Gelände stellt auch das Forschungsprojekt „Digital Formalism“ dar, das dieses Wochenende mit einer prominent besetzten Konferenz abgeschlossen wird.

Kern des interdisziplinären Projekts (Partner: TFM – Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Uni Wien, Österreichisches Filmmuseum und Interactive Media Systems Group der TU Wien) ist die bestechende Idee, das Schaffen des sowjetischen Dokumentar-Avantgardisten Dziga Vertov (1896–1954) als Vorstufe digitaler Bildanalyse und -kombinatorik zu lesen. Skizzen und Montagepläne aus der umfangreichen Vertov-Sammlung des Österreichischen Filmmuseums wurden auf ihre Übersetzungen zwischen Visualität und Abstraktion untersucht, computergestützte Verfahren zur Analyse von Vertovs strukturell raffinierten Montagegebilden entwickelt und verfeinert.

Bei der dreitägigen Konferenz unter dem Titel „Method left home“ werden Ergebnisse der dreijährigen Forschung vorgestellt, außerdem tragen internationale Kapazitäten wie Annette Michelson oder Ute Holl vor. Im Filmmuseum wird eine neue DVD-Edition von Vertovs euphorischen Sowjethymnen „Ein Sechstel der Erde“ (1926) und „Das elfte Jahr“ (1928) präsentiert (mit Musikbegleitung von Michael Nyman), das TFM widmet dem „Digital Formalism“-Projekt die aktuelle Ausgabe seiner Publikation Maske und Kothurn: Dort lässt sich unter anderem nachlesen, wie man einen Computer dazu bringt, Einstellungswechsel zu erkennen.

„Digital Formalism / Dziga Vertov“, 14. bis 16.1., Österreichisches Filmmuseum und Uni Wien. www.digitalformalism.org


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige