Vor 20 Jahren im Falter

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | aus FALTER 02/10 vom 13.01.2010

Ein guter Rat

Nach der Prager war nun die rumänische Revolution angesagt. Die traurige nach der samtenen. Jedenfalls lautet so die Coverzeile zur Reportage von Hanna Krause und Gerda Brandl: Die traurige Revolution. Aus Prag berichtete derweil Christian Reder von „Austausch wichtiger Zeichen“. Ihm war folgendes aufgefallen: „Erst ab dem 30 Dezember (nach der Wahl Vaclav Havels zum Präsidenten) ist wieder die übliche Anzahl Uniformierter und VB-Autos im Stadtbild aufgetaucht. Anzumerken war ihnen nichts, aber irgendwie war entschieden, dass eine kollektive Degradierung stattgefunden hatte.“

Gerda Brandl und Hanna Krause waren einer militanten Revolution samt Gefechten doch so nahegekommen, dass sie am Ende ihres Berichtes erleichtert feststellte: „Am Abend unserer Rückkehr hallen Böllerschüsse durch Wien. Der Schrecken, den jeder Knall zuerst in uns auslöst, verliert sich im farbigen Nachthimmel des ersten Jänner.“

In einem Gespräch mit Hugo Hausl, dem Chefredakteur der deutschsprachigen rumänischen Zeitung Neuer Weg, brachten Beate Firlinger und Erwin Schörghofer die Rede auf die Schwierigkeiten, die ein Systemwechsel auch im Kopf mit sich brächte. Hugo Hausl hatte dazu folgende Antwort bereit: „Ehrlich gesagt, mach ich mir schon Sorgen, was in zwei drei Wochen sein wird. Dann werden wir eben eine richtige normale Zeitung machen müssen. Das ist ja nicht so einfach. Früher, wenn ich so einen Leitartikel geschrieben habe zu einem dieser ewigen Themen, also, da hat man sich hingesetzt und hat sie diktiert. Wenn man jetzt einen Artikel schreibt, in dem man etwas sagen will und sich hüten möchte, dass einem die vielen Floskeln, die da im Kopf angesiedelt sind, auch in den Kugelschreiber oder in die Schreibmaschine rutschen, da muss man höllisch aufpassen. Man ist ja infiziert, man ist ja durchsetzt damit.“

Ein Rat, den Journalisten auch in friedlichen Zeiten zur Kenntnis nehmen sollten. Wenn sie etwas sagen wollen. AT


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