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Politik | aus FALTER 02/10 vom 13.01.2010

Warum sind gerade Sie gegen die Citymaut, Herr Knoflacher?

Bürgermeister Michael Häupl fragt sein Volk im Februar: Wollt ihr eine Citymaut? Nein, sagt Hermann Knoflacher, Verkehrsexperte der Technischen Uni Wien schon jetzt. Der Autor des Buches „Virus Auto“ glaubt, dass die Stadt in Sachen Verkehr nicht schlecht unterwegs ist.

Soll in Wien eine Citymaut eingeführt werden? Ja oder nein?

Nein, denn das Verkehrsaufkommen wurde in den vergangenen Jahren ohnedies geringer. Außerdem könnte es negative Auswirkungen auf die Kaufkraft geben. Die Wiener würden vermehrt in den Shoppingcentern an der Peripherie einkaufen fahren.

Hätte die Maut keine positiven Effekte?

Vielleicht würde der Durchzugsverkehr ein wenig verdrängt und Öffis mehr genutzt. Aber ich sehe hier wenig Spielraum.

Sie haben das Buch „Virus Auto“ geschrieben. Wieso sind ausgerechnet Sie Anwalt für die Geschäftsbesitzer?

Ich bin nicht der Anwalt der Wirtschaftstreibenden, sondern ein Anwalt der Stadt als Organismus. Und Wien hat in der Vergangenheit schon clevere Lösungen erarbeitet. Die Parkplätze wurden schon vor langer Zeit reduziert und eine Parkgebühr eingeführt. Die elektronische Ausstattung würde nur viel Geld kosten. Das ist Symptombehandlung.

Hat die Maut in London nichts gebracht?

Doch, aber nur weil Maßnahmen wie in Wien fehlen. In London zahlen Sie rund 50 Euro für die Maut. Solche Gebühren treffen Ärmere stärker als Reiche. Die Maut hat einen ideologischen Hintergrund. Autofeinde sehen darin den großen Wurf, was sie nicht ist.

Wie sähe ein großer Wurf aus?

Es gibt Pläne, wonach der erste Bezirk und auch der Ring teils selbst autofrei wären. Es gibt sicher Potenzial, Straßen als Lebensraum zurückzugewinnen. Auch in den Dorfkernen der alten Außenbezirke.

Was halten Sie von Suggestivfragen wie jenen, die der Bürgermeister stellt?

Wenig, auch wenn man diese eine getrost mit Nein beantworten kann.

Interview: Martin Gantner


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