Kleines Welttheater der Niedertracht

Feuilleton | aus FALTER 02/10 vom 13.01.2010

Die „Commedia all’italiana“ ist als rosarote Schwester des Neorealismus oft verkannt worden. Eine Rehabilitierung

Würdigung: Gerhard Midding

Es war eine ausdauernde, liebevoll gepflegte Feindschaft. Als Michelangelo Antonioni und Ingmar Bergman vor zwei Jahren am gleichen Tag starben, kommentierte Dino Risi dies mit wohltuender Respektlosigkeit: „Wenn ich auch noch gestorben wäre, hätte es wohl nur für eine Meldung im Sportteil gereicht.“ Risi hat aus seinem Argwohn gegenüber Antonioni nie einen Hehl gemacht, wie ein linkshändiges Kompliment aus „Il sorpasso“ („Die Überholspur“) belegt: Der Lebemann Bruno (Vittorio Gassman) preist ihn als großartigen Regisseur, in dessen Filmen man sich zuverlässig bei einem Nickerchen erholen könne.

Als Risi dann zehn Monate später tatsächlich starb, waren die Nachrufe – auch ohne namhafte Konkurrenz – dünn gesät: Die Geschichte der Commedia all’italiana ist auch die Geschichte einer Kränkung. Da sie das ökonomische


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