Häuptling Reitende Projektionsfläche

Feuilleton | aus FALTER 02/10 vom 13.01.2010

Das Völkerkundemuseum zeigt den „Indianer“ Sitting Bull als Mythos und Medienstar

Expedition: Matthias Dusini

Häuptling Sitting Bull war gerührt, als er sich von dem deutschen Journalisten Rudolf Cronau verabschiedete: „Eisenauge, die Lacotahs schütteln dir die Hand. Sie werden noch lange am Feuer von dir erzählen.“ Als Cronau den von der US-Armee internierten Sioux-Indianer 1881besuchte und den Lesern der Zeitschrift Gartenlaube das romantische Bild eines „rothen Napoleon“ vermittelte, war aus dem Vertreter einer kleinen, indigenen Ethnie im US-Bundesstaat North Dakota bereits ein Mythos geworden.

Die Eisenbahn eroberte den realen Raum für die europäischen Einwanderer, die Presse den Raum der Imagination. 1876 wurde eine Einheit der US-Fluss-Armee am Little Bighorn geschlagen. Die Zeitungen fanden in Tatanka Iyotanka (wie Sitting Bull in seiner eigenen Sprache hieß) einen illustren Public Enemy, obwohl er an den Kämpfen gar nicht beteiligt war. Sein Image verbesserte


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