47,40 Euro

Stadtleben | aus FALTER 02/10 vom 13.01.2010

So viel verdient, wer im Auftrag der Gemeinde Wien neun Stunden lang als „Taglöhner“ Schnee schaufelt. Ein nächtlicher Selbstversuch

Reportage: Joseph Gepp

Taglöhner. Dieser Begriff klingt antiquiert, wie aus längst vergangener Zeit. Wer ihn hört, denkt wohl an Arbeiterelend. An vagabundierende Erntehelfer, Ziegelböhm, Zinshausbetten, doppelt und dreifach belegt. An den sozialdemokratischen Traum von der gerechten Gesellschaft, in der kein Mensch mehr Taglöhner sein muss.

„Anmeldung Taglöhner“ steht auf dem A4-Zettel an einer städtischen Amtsstubentür in Margareten, Einsiedlergasse 2. Es sind die Wasch-, Kehr- und Räumdienste der Magistratsabteilung 48, vergangener Freitag, früher Morgen. Es schneit. Eine junge Sekretärin nimmt den Personalausweis entgegen, die Sozialversicherungskarte, tippt einige Angaben in ihren Computer. Das Prozedere dauert nicht länger als fünf Minuten. „So“, sagt sie dann, „das war’s auch schon. Sie bekommen 1,40 Euro Nachtzuschlag, also


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