Basics

Grundkurs Kochen (60)

Stadtleben | aus FALTER 02/10 vom 13.01.2010

Wird der Schnee zu Matsch, kommt auch auf den Teller Gatsch

Die Stadt ist wie in dreckige Watte gepackt. In den Haushalten herrschen Selbstkasteiungsfestspiele. Nur der Rollsplitt hat Fasching. Die Weihnachtsbäume sind weg, und eigentlich sollte endlich jemand den Nadelteppich vom Parkett fegen. Aber weh uns, woher nehmen wir, wenn es Winter ist, die Kraft, um den Bartwisch zu führen? Was also kochen in diesen antriebslosen Tagen? Möglichst wenig Kalorien soll es haben, aber schmecken sollte es halt nach was. Und ein bisschen bunt könnt es auch ruhig sein, jetzt, wo wir Blumen, Birnen und Sonnenschein missen müssen. Die Lösung heißt Püree. Aber nicht Erdäpfelpüree oder besser, schon auch, aber nicht nur Erdäpfelpüree, weil: Winterzeit ist Wurzelzeit, und da nehmen wir einfach, was an Wurzeln und Knollen so rumliegt – Karotten, Kartoffeln, Kohlrabi, Pastinaken, Sellerieknollen, Topinambur, Rote Rüben und, ja, die Nachkriegsgenerationen können sogar zur Steckrübe greifen: Der Witz liegt in der Mischung.

Die Teile werden gewürfelt und gemeinsam gegart, und zwar nicht zu knapp: Fuck al dente! Zum Beißen haben wir nicht den Biss. Ist das Zeug schön matschig, wird es zu Pampe zerstampft (Wasser vorher abgießen). Bloß nicht zu viel action, denn schlampig ist die Pampe (= Schlampe) besser, bewahrt überraschende Geschmacksinseln. Salz, Butter oder Olivenöl dazu, und wenn Sie die Muskatreibe noch hochkriegen, raspeln Sie ruhig was drüber. Wir führen den Mund zur Gabel, sprachlos und kalt im Winde klirren die Fahnen. KN


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