Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 02/10 vom 13.01.2010

Trotzdem: 2010

Wie das neue Jahr wird? Keine Ahnung. So wie es sich im Pannonischen, aber auch jenseits von Semmering und Pack – ja, dort vor allem – anlässt, ist mit Schlimmem zu rechnen. Und der Wahnsinn wird vor der Steiermark keinen Halt machen. Schon gar nicht in einem doppelten Wahljahr, wie es 2010 eines ist: Im März werden die Gemeinderäte neu gewählt, im Herbst dann der Landtag.

Für die Volkspartei, die bei den letzten Landtagswahlen erstmals die Mehrheit an die SPÖ verloren hat, wird es nicht einfach. Darauf deutet auch das zum Jahreswechsel affichierte Plakat hin, auf dem Parteichef Hermann Schützenhöfer zwar abgebildet, aber nur mit reichlich gutem Willen zu erkennen ist. Warum erscheint er so fremd? Ist es die verzwickte Mimik, die – man kann nur raten – von den Strahlen der heimtückischen Wintersonne im Hintergrund rührt? Oder von innerer Zerrissenheit? Ist es die ungewohnt erdige Farbe von Schützenhöfers Sakko, in das der Mann für das Foto gesteckt wurde? Sie soll wohl Heimatverbundenheit suggerieren.

Nicht weniger kryptisch der dazugehörige, den Komparativ verpflichtende Slogan: „Das neue Jahr muss besser werden“. Kann man das Bessere erzwingen? Wenn ja: von wem? Und wenn nein: Wäre es dann nicht bloß frommer, dabei trotziger Wunsch? „Trotzdem: 2010“ – das wäre ein feiner Slogan. Doch die ÖVP wird demnächst „Mehr Steiermark“ plakatieren. Eine gefährliche Drohung, vor allem wenn man Schützenhöfers jüngstes Ja zu einem Minarettverbot in Betracht zieht: Mehr Wahl, mehr Kampf, mehr Wahnsinn, mehr Mehr! Wird 2010 am Ende das Jahr, in dem sogar der Komparativ total in Misskredit gerät?

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige