Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 02/10 vom 13.01.2010

Das war 2010 – das Jahr der „Anführungszeichen“

Während in Unterpremstätten Benzin-Gokarts geklaut wurden, wurden in Weiz Fahrräder gestohlen, aber nur ganz kurz. Einen Tag später waren sie wieder da, versehen mit einem Entschuldigungsschreiben, einer Erklärung und einer Entschädigung in Form von Opernkarten.

Das Vertrauen in die Welt war wiederhergestellt, und Vertrauen ist der Rohstoff der Zukunft, wie wir von unserer alten Bekannten Frau Schneiderer wissen. Jedenfalls ist 2010 das Jahr des Vertrauens, der Anführungszeichen (die Sicherheitsdirektion warnt, 2010 könnte es in Graz richtig „krachen“, vor allem die linksradikale Szene nimmt „dramatisch zu“ und übermalt gerne Parolen auf Hausmauern) und der Fahrraddiebe. Der Klassiker des Neorealismus „Ladri di biciclette, 1948“ wird ein Revival feiern. Unsere Weizer Fahrradbesitzer jedenfalls waren in der Oper, während ihnen ihr Weizer Einfamilienhaus ausgeräumt wurde.

Und jetzt stehen sie da und werden nie wieder vertrauen und auch nie wieder in die Oper gehen. Sie werden sich vermehrt in den Resten ihrer Einfamilienhäuser einbunkern, und der Rest der Bevölkerung wird es ihnen in der zweiten Hälfte von 2010 nachmachen. Das heißt: 2010 ist auch das Jahr der Haushaltskaffeemaschinen und der Fonduetöpfe. Im Gegensatz zur „vorübergehenden“ Coffee-to-go-Welle in den „Nullerjahren“.

Dramatiker

Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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