Fragen Sie Frau Andrea

Kinder, Könige, Knete und Knöpfe

Kolumnen | aus FALTER 02/10 vom 13.01.2010

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

letzte Woche zogen die scheinheiligen drei Könige wieder durchs Land, und abermals versuchten sie ihre traditionelle Sachbeschädigung an meiner Eingangstür zu verrichten, wieder beschmierten sie den Türstock, nachdem die gesangliche Ruhestörung vorüber war. Einem habe ich diesmal die Ohren langgezogen. Meine Frage: Wird eine Klage wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch Erfolg haben? Was raten Sie? In Verehrung,

André Freibad, per Elektropost

Lieber André,

ich begrüße Ihren Unmut, orte aber Unschlüssigkeit in der Wahl der Waffen. Von einer Klage wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch möchte ich Sie weniger aus moralischen denn aus technischen Gründen abhalten. Ein Gang zum Salzamt könnte nicht sinnloser sein. Gewiss wird die eine oder andere exekutivorganische Kraft Ihre Klage entgegennehmen und möglicherweise sogar einen Akt dazu anlegen. Bedenken Sie aber, dass die Mühlen der heimischen Justiz mit der Nichtbearbeitung weit gravierenderer Verfehlungen beschäftigt sind. Ich frage Sie: Was ist das Bemalen eines Türstocks und das Absingen eines Liedes gegen das Versenken einer Bank?

Von Selbstjustiz an der Wohnungstür würde ich ebenso abraten. Junge Königsdarsteller nehmen frühe Beschädigungen in ihr späteres Leben mit. Wie hätte die Karriere von Jörg Haider ausgesehen, hätte ihm Volksschulkollege Wilfried Scheutz damals in St. Agatha nicht eine Feste umg’hängt?

Ich rate zu Lug und Betrug. Schreiben Sie doch schon jetzt vorsorglich die Kürzel „20 - C + M + B - 11“ an Ihren Türstock. Die nächstjährliche Sternsingerbande wird meinen, eine rivalisierende Dreikönigspartie sei schon tätig geworden, und von einer Zweitbebettelung absehen. Falls Sie Mut zur Sinnlichkeit haben, könnte Gegenzauber angezeigt sein. Verkleiden Sie sich als Satanspriester und verlangen Sie die Seelen der singenden Kinder. Decken Sie sich mit Exemplaren des Wachturm ein und betreiben Sie hinterhältig eine Scheinmissionierung.

Eine österreichische Lösung wäre passiver Widerstand. Schütten Sie kiloweise fremdländische Groschen in die Klingelbeutel der Magoi! Auch Knöpfe und Beilagscheiben tun ihr Gutes. Seien Sie kreativ!


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