Kritik

Zu Tisch bei Shakespeare und Montaigne

Lexikon | Martin Lhotzky | aus FALTER 03/10 vom 20.01.2010

Es hat schon Tradition in der Scala: Eine Inszenierung pro Saison ist literarischen und lukullischen Genüssen gleichermaßen gewidmet. Für „Banquo’s Bankett“ stellte Prinzipal Bruno Max eine Collage aus Shakespeare- und Montaigne-Zitaten zusammen, sein Ensemble serviert dazu Gerichte der frühneuzeitlichen Küche (um 1580). Abgesehen davon, dass auch der Hauptgang (Schwein, Huhn und Ente auf Rotkraut mit Birnen und – historisch erstaunlich frühen – Erdäpfeln) kalt aufgetragen wird, passt alles. Der kleine Spielraum ist als opulente, schwülstige Tafel in Rot und Silber gedeckt. Neben Tischzuchten des Philosophen Michel de Montaigne werden einschlägige Passagen aus „Was ihr wollt“, „Titus Andronicus“ (ja, die Zwillingsverzehrszene), „Timon von Athen“ und etlichen mehr vorgetragen. Der Inszenierung gelingt es sogar, eine, nein, drei Geschichten (zweimaliger Neustart) zu erzählen. Untermalt wird der gelungene, kurzweilige Abend mit Musik (Fagott, Oboe, Cello, Cembalo) von Henry Purcell bis Michael Nyman. Großes Kulinarium!

Scala, Fr, Sa, Mi, Do 19.45 (bis 30.1.)


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