Kritik

Welten zeigen, Welten machen

Lexikon | aus FALTER 03/10 vom 20.01.2010

Landschaft ist ein dehnbarer Begriff: Er führt in die Natur, in die gebaute Umwelt, in individuelle Vorstellungsräume, in konstruierte und manipulierte Welten.

„Into Landscape“ titelt die Ausstellung mit acht internationalen fotografischen Positionen, deren Annäherungen an das Thema wider Erwarten das Dokumentarische völlig ausklammern. Denn die greifbare Dingwelt steht in vielen der gezeigten Arbeiten oft nur als Symbol für metaphysische Ideen.

An schäumende Meereswogen erinnern etwa die Aufnahmen von Stefan Löffelhardt, der aus bunten Plastikfolien fiktive Landschaften formt, die er im Studio ablichtet. Auf neblige Fußwege, Begrenzungsmauern und Straßenlaternen fällt der Blick in Jacky Longstaffs poetischen, menschenleeren Aufnahmen, die mehr wie die Beschreibung innere Befindlichkeiten anmuten denn als festgehaltene reale Situationen. Emma Wieslander erinnert sich eines bürgerlichen Zeitvertreibs vergangener Tage, als man durch farbiges Glas in die graue Winterlandschaft blickte, um ein wenig Sommer zu fühlen. Idyllen, wie sie der britische Romantiker John Constable einst gemalt haben mag, taucht sie in warmes, herbstliches Orange.

Und so sehen Welten aus, die man zunächst nicht versteht: Auf chinesischsprachige Comics hat Hannes Norberg für seine Schwarzweißfotografien zurückgegriffen, die Bild- und Textteile anschließend variantenreich abstrahiert. Entstanden ist die Kartografie einer Gegend, die Allerweltsort und Niemandsland gleichermaßen sein könnte. MJ

Galerie Hartmann, bis 13.2.


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