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Sammelkritik

Lexikon | Carsten Fastner | aus FALTER 03/10 vom 20.01.2010

Sein Leben war so zerrissen wie seine Musik voller Gegensätze und sein Ruf ambivalent. Wilhelm Friedemann Bach (1710–1784), der älteste der vier komponierenden Bachsöhne, galt früh schon als deren genialster – und zerbrach tragisch am hohen Erwartungsdruck.

Nach soliden Anstellungen in Dresden und Halle musste er sich – zu früh für seine Zeit – in Berlin als freier Künstler durchschlagen. Der Meister des musikalischen Helldunkels starb im Halbdunkel einer verarmten, verbitterten Existenz.

Bezeichnend der ironische Nachruf der Leipziger Allgemeinen Musikzeitung, der Friedemann mit seinen erfolgreichen Brüdern verglich: „Friedemann trank und schrieb dann nicht. Emanuel trank nicht und schrieb. Christian trank und schrieb dann.“

Bis heute steht Friedemann im Schatten dieser beiden und übertrifft allenfalls den biederen Johann Christoph. Aus Anlass seines 300. Geburtstags wurde nun eine ältere Aufnahme von Waldemar Döling wiederveröffentlicht, die „Virtuose Cembalomusik“


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