Theater Kritik

Kunstunianarchie – frei nach Aristophanes

Steiermark | Hermann Götz | aus FALTER 03/10 vom 20.01.2010

So richtig klassisch ist diese KUG-Inszenierung der Aristophanes-Komödie „Die Weibervolksversammlung“ („Ekklesiazusen“) nicht. Aber das hat eh niemand erwartet. Um Genderproblematik im heutigen Sinne geht’s aber auch nur ganz am Rande, das heißt vielleicht im Programmheft. Die Utopie, die der alte Grieche 392 v. Chr. für den Fall entwirft, dass Frauen die Macht ergreifen, ist viel mehr die reine und lautere Anarchie: Alles Eigentum dem Kollektiv und freie Liebe mit schönen Menschen für alle! Auch für die Alten und die Hässlichen! Da wird die Sache dann durchaus totalitär, zugleich aber pikant und daher komödiantisch ergiebig.

Die von zahllosen Schauspielhaus-Inszenierungen bekannte Regisseurin Cornelia Crombholz jagt das Studierenden-Ensemble in einer forsch und phasenweise formalistisch inszenierten Show über die komplex gestaltete Bühnenlandschaft (Marlen v. Heydenaber), während Vesna Petkovic, Sašenka Proliè und Vanja Kevrešan sympathische Balkan-Sounds beisteuern. Das kennt man von Crombholz, aber es funktioniert auch mit KUG-Studierenden. Hervorragend sogar. Das Problem liegt eher bei Aristophanes und beim Versuch, sein parabelhaftes Stück für ein lachfreudiges Publikum von heute aufzubereiten. Der Abend startet in rasanter Derbheit und endet ebendort. Nur dass sich die frivole Blödelei inzwischen etwas abgenutzt hat. Und wer unterwegs die Lust am Lachen verliert, erkennt womöglich auch noch, dass nicht alle der männlichen Darsteller mit der beglückenden Bühnenpräsenz ihrer Kolleginnen mithalten können. Aber das passt ja dann wieder irgendwie.

KUG, Theater im Palais, Fr, Sa 19.30


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