Vor 20 Jahren im Falter

Falter & Meinung | aus FALTER 03/10 vom 20.01.2010

Wie wir wurden, was wir waren

Einen bizarren Ausflug mit ebenso edlen Motiven wie fragwürdigen Urhebern beschrieb Werner Vogt, Mitbegründer der kritischen Medizin und später Pflegeombudsmann in Wien. Es ging um einen Hilfszug der Stadt Wien für Rumänien.

Aller Anfang …

Vogt: „Wie auch immer. Zilk und seine Mannen haben nicht nur ein wichtiges Symbol der Hilfe am Südbahnhof verabschiedet, die Hilfe kam, mit Turbulenzen und auf vielen Umwegen, auch an, war sinnvoll. Jedes Land im Umbruch benötigt präsente Solidarität, ist froh über jeden Augenzeugen, fühlt sich gesichert durch ausländische Öffentlichkeit.

Daran ändert auch jene Geschichte nichts, die mir ein Rathausmensch am Bahnhof von Puspökuladany, als wir stundenlang herumlungerten und unser Reiseschicksal ungewiss war, erzählte.

Am 23. Dezember 89 habe ein Redakteur der Kronen Zeitung angerufen und gefragt, was denn Wien an Rumänienhilfe plane. Der angesprochene Pressemann der Bürgermeisterei habe in seiner Verlegenheit etwas von Lkw-Transporten oder sogar von einem Sanitätszug gefaselt. Die Sanitätszug-Idee habe derart bei der Krone eingeschlagen, dass nun allen klar war: Sanitätszug.

Am Anfang war also das Wort. Es kam von der Krone und ist Wirklichkeit geworden. Selbst wenn die Geschichte erfunden wäre, sie erfreut und belebt den politischen Sinn. Der Ursprung österreichischer Rumänienhilfe als Heimatroman.“

Das Ende dieser Geschichte war ebenso bizarr wie ihr Anfang. Vogt beschreibt, wie er sich auf Anregung junger rumänischer Ärzte mit ein paar anderen Ärzten spontan entschloss, hierzubleiben und zu helfen. Zum großen Unwillen mancher Rumänen, die in Gestalt der Nomenklatura versuchten, am alten System zu retten, was zu retten war. Mit Vogt und seinem Chef Poigenfürst hatten sie nicht gerechnet. Ein großes medizinisches Hilfsprojekt nahm mit der spontanen Hilfsbereitschaft dieser beiden Ärzte seinen Anfang. AT


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