Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | aus FALTER 03/10 vom 20.01.2010

Frau Haider-Merlicek, warum flüstern plötzlich alle?“

Stellen Sie sich einen Radiospot für Gehörschutz vor. Vielleicht denken Sie dabei an eine Autobahn, an ein Rockkonzert oder an Maschinenlärm. Rosa Haider-Merlicek und Tolga Büyügdoganay von Demner, Merlicek & Bergmann haben eine andere Idee gehabt: „Durch den Gehörschutz soll sich alles, was normalerweise gebrüllt wird, wie geflüstert anhören“, erklärt Haider-Merlicek.

Genau das passiert in den neuen Radiospots für Hörschutz aus dem Hause Hörwelt. Einmal sind es protestierende Studenten, die „Wir sind hier, wir sind laut! Weil man uns die Bildung klaut!“, flüstern. Ein anderes Mal sagt ein Kebabverkäufer sanft und leise: „Kebaaab, Kebaaab! Drei Euro mit alles!“ Und am Ende erklärt eine warme Männerstimme: „Leben ohne Lärm. Mit Gehörschutz von Hörwelt.“

Kebabverkäufer und Studenten als Lärmquelle – will die Werbung provozieren? Nein, sagt Tolga Büyügdoganay. Aber einfach nur Maschinen- oder Autolärm leiser zu machen, das wäre witzlos gewesen. Und er glaubt auch nicht, dass der Spot bei Studenten schlecht ankommt: „Gerade junge Leute haben Humor und viel übrig für schräge Ideen. Da hatten wir noch nie Probleme.“ Haider-Merlicek ergänzt, dass die Idee eben vor allem deswegen wirke, weil sie ungewohnt sei: „Wenn eine Idee die Hör- und Sehgewohnheiten des Publikums stört, dann wird sie zum Hingucker. Oder in diesem Fall zum Aufhorcher.“

Die Spots sollen ältere Menschen ansprechen, aber auch Jugendliche, die bei Konzerten gerne zu nah an den Boxen stehen. Und eigentlich richtet sich die Werbung an alle, erklären die beiden. Denn, so Haider-Merlicek lachend: „Die Österreicher neigen sowieso dazu, dass sie terrisch sind, weil sie sich gewohnheitsmäßig anschreien.“ Lukas Plank


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