Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 03/10 vom 20.01.2010

Lieber schaue ich mir eine Dokumentation über die Rückkehr der Syphilis an als noch eine Folge von den „Tudors“ (Pro 7, Mo, 22.15 Uhr). So schlimm kann das Betrachten dieser Erkrankung gar nicht sein, inklusive Geschwüre und Zerstörung des zentralen Nervensystems, als dass man sie der düsteren Schmonzette rund um den englischen Monarchen Heinrich VIII. nicht vorziehen würde. Das pseudohistorische TV-Ereignis, das aus Genreklischees und pompösen Kostümen besteht, zeigt einen notgeilen König mit Persönlichkeitsstörung, der hauptsächlich damit beschäftigt ist, seine jeweilige Lebensabschnittspartnerin mittels Hinrichtung loszuwerden. Jonathan Rhys Meyers verpasst ihm zwar ein ganz passables Äußeres (der echte Heinrich war sicher auch schiacher), aber den Rest kann man vergessen. Da war mir die Mutter aller Geschichtsserien, die US-Bürgerkriegssaga „Fackeln im Sturm“, lieber: Diese Kitschoper hatte sich ja auch nicht als „historische Serie mit fiktionalen Elementen“ verkleidet.


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