Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Joseph Gepp | aus FALTER 03/10 vom 20.01.2010

„Umsteigen“: Wo in Meidling Lücken klaffen

Glücklich sollten wir uns schätzen, weil sich ein flächendeckendes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln über unsere Stadt spannt. Denn wo wir auch sind, die nächste U- oder zumindest Straßenbahn ist nie weit. Sogar am äußeren Ostgürtel. Dort finden wir, ortsunkundig, flugs eine Bimlinie, und nach nur drei Stationen sagt die Stimme: „Umsteigen zur Längenfeldgasse. U-Bahn.“ Oh praktische Wienerstadt, wo der Weg zurück in bekannte Gefilde stets so kurz ist. Nach dem Ausstieg zeigt sich aber: Da ist gar keine U-Bahn. Stattdessen Schneegatsch, grauer Himmel, Meidlinger Vorstadthäuser in strengem Raster. Ein Jugendlicher lacht mitfühlend, als er die Frage nach der U-Bahn hört, und sagt: „Die Straße runter ist sie. Ziemlich weit weg.“ Wir spazieren also die Straße runter und denken über die Bedeutung des Wortes „umsteigen“ nach. Eins, zwei, drei, vier Quergassen. Ein Gemeindebau. Eine Trafik. Ein Supermarkt. Eine U-Bahn-Station schließlich, wie eine Fata Morgana aus dem grauen Gatsch. Zurück in bekannten Gefilden. Umsteigen erfolgreich.


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